Gentechnik-Risiken
Saatgut ist die Grundlage für die landwirtschaftliche Erzeugung und unsere Ernährung. Von welchen Sorten wir zukünftig Saatgut bekommen, hängt entscheidend davon ab, in welche Richtung sich die Züchtung und Sortenerhaltung entwickeln können. Saatgut von gentechnikfreien Sorten wird es langfristig nur geben, wenn die gentechnikfreie Saatgutarbeit heute gesichert ist.
Gentechnikfreie Saatgutarbeit heißt: Erhaltungsinitiativen spüren alte Sorten auf, pflegen sie, bringen sie neu in die Nutzung und geben ihre Vielfalt und das Wissen darüber weiter. Vermehrer und Vermehrerinnen erzeugen Saatgut für die Erzeugung von Lebensmitteln. Züchter und Züchterinnen entwickeln neue Sorten oder pflegen bestehende.
Einkreuzungen aus gentechnisch veränderten Pflanzen stellen eine große Gefahr für die gentechnikfreie Saatgutarbeit dar. Wertvolle Sorten und Linien können durch gentechnisch veränderte Merkmale irreversibel geschädigt werden – und damit verloren gehen. Die volkswirtschaftlichen und privaten Folgekosten dieser Verluste von Züchtungsmaterial und traditionellen Kulturpflanzen sind inakzeptabel. Somit ist es eine äußerst wichtige Aufgabe, rechtzeitig für die Sicherung gentechnikfreier Züchtung und die Erhaltung gefährdeter Sorten zu sorgen.
Heute werden gentechnisch veränderte Pflanzen bereits verbreitet zu Versuchszwecken und zur Produktion angebaut – von der Aubergine bis zur Zwiebel. Der Spieß hat sich umgedreht:
Nicht mehr die gentechnisch veränderten Pflanzen müssen unter strengen Sicherheitsvorkehrungen angebaut werden, sondern die vor Einkreuzung zu schützenden Kulturpflanzen. Nun sollen Saatguterzeuger und –erzeugerinnen Gentechnikfreiheit garantieren, welche sie mit ihrer Anbauweise und durch ihr Handeln jedoch gar nicht gefährden. Sie legen im Gegenteil allergrößten Wert darauf, nicht zur Verbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen durch verunreinigtes Saatgut beizutragen. Ausgerechnet den gentechnikfreien Erzeugern werden Aufwand, Risiko und Folgekosten der Gentechnologie abverlangt, während die Gentechnik-Betreiber und Betreiberinnen von den Kosten, die sie Gesellschaft und Umwelt aufbürden, entlastet werden.
Spezifische Probleme der Saatgutarbeit
Saatgutinitiativen, die ohne Gentechnik arbeiten, sehen sich durch gentechnisch veränderte Pflanzen mit folgenden Problemen konfrontiert:
- Große und teilweise irreversible Verluste beim Erhalt, der Weiterentwicklung und der Züchtung von Sorten sind zu befürchten. Gentechnische Verunreinigungen zerstören ein Kulturerbe.
- Die von der Europäischen Union postulierte Koexistenz berücksichtigt nicht die besonderen Risiken für die Züchtung und den Erhalt von gentechnikfreien Sorten, die mit der Freisetzung und dem Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen einhergehen.
- Die Informationspflichten und -rechte über Freisetzungsversuche und den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen sind für Saatgutinitiativen unzureichend geregelt.
- Der freie Austausch von Saatgut wird verhindert. Durch die Notwendigkeit verschärfter Kontrollen und Herkunftsnachweise sind besonders Erhaltungsinitiativen, die auf dem freien Austausch auch kleiner Mengen Saatguts beruhen, bedroht.
- Haftungsfragen sind gerade im Bereich der Saatgutarbeit ungeklärt. Für gentechnikfreie Züchtung und Sortenerhalt ist es jedoch erforderlich, erst gar keinen Haftungsschaden entstehen zu lassen.
- Erhöhte Kosten für Tests, Schutzmaßnahmen, Planungsaufgaben, gemeinschaftliche Maschinennutzung und Umstellung von Betriebsstrukturen belasten die Budgets der Saatgutunternehmen, verteuern das Saatgut und gefährden die Existenz der Unternehmen. Die Kosten dafür sollten nicht sie, sondern die tatsächlichen VerursacherInnen tragen. Deshalb muss ein umfassendes VerursacherInnenprinzip gelten.
Durch GVO bereits bedrohte Kulturpflanzen:

Paprika
Versuche mit Gentech-Paprika sind aus den USA und China bekannt.
