Informationen - Positionen
Hier finden Sie Stellungnahmen, Offene Briefe, Kommentare und Hintergrundpapiere der IG Saatgut. Sie sind geografisch geordnet.
Europa

Die IG Saatgut übergibt über 41.000 Unterschriften an EU-Kommissar John Dalli in Brüssel
Im Rahmen der Kampagne „Vielfalt säen“ hat die IG Saatgut über 41.000 Unterschriften in Deutschland und Österreich gesammelt.
In der Schweiz hat die Kampagne „Vielfalt für alle!“
16.000 Menschen mobilisiert, in Frankreich hat Reseau Semences Paysannes
dem Ministerium 80.000 Unterschriften für die Rettung Bäuerlichen Saatgutes („Sauvons les semences paysannes“) übergeben.
Die UnterzeichnerInnen der IG-Saatgut-Kampagne bekräftigen mit ihrer Unterschrift unsere Forderungen an die EU-Kommission:
- » Pflanzen sind keine Erfindungen – Pflanzensorten müssen frei von Besitzansprüchen sein.
- » Pflanzen sind keine Sachen – sie dürfen nicht gentechnologisch manipuliert werden.
- » Ziel von Bürokratieabbau soll eine Förderung lebendiger Vielfalt und nicht von biologischen Rohstoffen („genetischen Ressourcen“) sein.
- » Eine lebendige Vielfalt braucht Pflanzensorten, die nachbaubar sind.
- » Wir brauchen auch in Zukunft einen Reinheitswert bei Saatgut von 0,0% gentechnischer Verunreinigungen – gekoppelt mit dem VerursacherInnenprinzip!
Biopatente
IG Saatgut fordert Stopp der Patentierung von Saatgut, Pflanzen, Tieren und Lebensmitteln
Die IG Saatgut unterstützt den weltweiten Aufruf der Koalition „No Patents on Seeds“: Patente auf Pflanzen und Tiere müssen gestoppt werden. Von der Großen Beschwerdekammer des Europäischen Patentamtes wurden am 20. Juni 2010 zwei Präzedenzfälle behandelt: der Einspruch gegen die Patente auf Brokkoli und Tomate.
Kostspielige Gentechnik
Neues Hintergrundpapier zu den betriebs- und volkswirtschaftlichen Dimensionen der Gentechnik
Erst vor wenigen Tagen hat die EU-Kommission drei neue gentechnisch veränderte Maisvarianten für die Einfuhr nach Europa zugelassen. Doch ist bis heute wissenschaftlich nicht gesichert, wie sich die Nutzung gentechnisch veränderter Pflanzen langfristig auf Ökologie, Gesellschaft und Wirtschaft auswirkt. Der NABU und andere Umweltverbände bezweifeln, dass die geschönte Rechnung der Biotechnologie-Industrie aufgeht. Wenn betriebswirtschaftliche Auswirkungen und gesellschaftliche Risiken eingerechnet wüden, könnte der großflächige Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen den Menschen und der Wirtschaft mehr schaden als nutzen. Die Folgen des Gentechnik-Einsatzes würden in Deutschland und den meisten EU-Ländern weitgehend ausgeblendet. Landwirten beispielsweise entstünden erhebliche Zusatzkosten, um Kontaminationen durch genmanipulierte Pflanzen zu vermeiden.
EU-Kommission bewilligt Import und Verarbeitung einer neuen Gentechnik-Maissorte
Aufgabe der Nulltoleranz bei Futtermitteln?
Ein weiterer Gentechnik-Mais (MIR 604) der Firma Syngenta ist am 30.11.2010 von der EU-Kommission zum Import und zur Verarbeitung zugelassen worden. Mitte November konnte sich der EU-Ministerrat nicht auf eine einheitliche Position einigen. Damit lag die Entscheidung bei der Kommission. Die deutsche Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner stimmte für die Zulassung. Die Futtermittel- und Agrarindustrie übten dabei mächtig Druck aus. Denn wenn der Mais in der EU nicht zugelassen ist, gilt für den Import die Null-Toleranz. Das heisst, dass auch mit geringen Spuren verunreinigte Lieferungen an der Grenze zurückgewiesen werden müssen. Die Futtermittelindustrie spricht daher von einer drohenden Futtermittelknappheit, die Europa drohe, wenn Gentechnik-Sorten, die in den USA angebaut werden, in der EU nicht zugelassen sind.
Zwei neue Studien über den US-amerikanischen Saatgutmarkt
Steigende Saatgutpreise und kaum noch Auswahl
Ein neuer Report der US-amerikanischen Bauernvereinigung Farmer to Farmer Campaign (“Out of Hand. Farmers face the consequences of a consolidated seed industry”) belegt eindrücklich, welche Wirkungen die zunehmende Unternehmenskonzentration im amerikanischen Saatgutsektor auf die Landwirte hat:
“Die Bauern sehen sich mit einer abnehmenden Sortenvielfalt und stark gestiegenen Saatgutpreisen konfrontiert”, so fasst Kristina Hubbard, die Autorin des Reports, die Situation zusammen.
Schadinsekten trotzen dem Gift
Zunehmende Resistenzen durch gentechnisch veränderte Pflanzen
Die Studie Field-Envolved Insect Resistence to Bt Crops der Universität von Arizona belegt, dass in nur drei Jahren die Anzahl der resistenten Baumwollkapselbohrer in GV-Baumwollfeldern von Null auf 50 Prozent gestiegen ist. Manche Insekten sind 100- bis 1000-mal unempfindlicher gegen das Bt-Toxin geworden, so die Studie. Auch bei GV-Mais gibt es bereits ernste Probleme mit Schädlingen, insbesondere sind Schwellen- und Entwicklungsländer betroffen.
Den Hunger bekämpfen – ohne Gentechnik
Mit eingekreuzter Resistenz und Schlupfwespe zu mehr Bohnenertrag
Eine ETH-Professorin aus Zürich und ihr Team vom Internationalen Zentrum für Tropische Landwirtschaft (CIAT) in Kolumbien haben mit ihrem Forschungsprojekt einen wirkungsvollen Weg zur Reduktion grosser Verluste aufgezeigt, die Bauern beim Lagern ihrer Bohnenernte erleiden. Getrocknete Bohnen sind ein wichtiges Grundnahrungsmittel und werden zu 90 Prozent von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Ländern mit tiefen Einkommen produziert. Die Bauern investieren oft sämtliche Ressourcen in den Anbau der Pflanze. Besonders nach der Ernte kommt es aber zu grossen Ernteverlusten, weil Käfer die Bohnen während der Lagerung zerstören.
Gentechnikfreie Regionen mit EU-Recht vereinbar
Neues Rechtsgutachten stärkt Bewegung der GVO-freien Regionen
Das EU-Recht ermöglicht das Errichten von verbindlich geltenden gentechnikfreien Regionen. Dies ist das Ergebnis eines Rechtsgutachtens, welches von Bündnis 90/Die Grünen in Auftrag gegeben wurde. Schon jetzt verzichten 30.000 Landwirte freiwillig auf den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen. Die bestehenden gentechnikfreien Zonen in Europa umfassen ca. 1 Mio. ha Ackerfläche.
Revision der EU Saatgutverkehrsgesetze
Monopolisieren oder gentechnikfreie Vielfalt fördern?
Am 18. März 2009 fand in Brüssel – im Rahmen der Überarbeitung der Saatgutverkehrsgesetze – die Konferenz der EU-Kommission „zur Sicherstellung der Saatgutverfügbarkeit im 21. Jahrhundert” statt. Die ausstehenden Entscheidungen zum Saatgut betreffen unsere Ernährung. Deshalb startet die Kampagne „Zukunft säen – Vielfalt ernten” eine breite Diskussion in der Öffentlichkeit.
Patente auf konventionell gezüchtete Pflanzen
Melonen-Patent für Monsanto
17. Mai 2011: Nach aktuellen Recherchen des Bündnisses “No patents on seeds”, hat der US-Konzern Monsanto im Mai 2010 ein europäisches Patent auf Melonen aus konventioneller Pflanzenzucht erhalten (EP 1 962 578). Die Melonen weisen eine natürliche Resistenz gegenüber einer Viruskrankheit auf. Mithilfe konventioneller (also nicht gentechnischer) Züchtungsverfahren wurde diese Resistenz, die in indischen Melonen natürlicherweise vorkommt, auf andere Melonen übertragen. Diese gelten jetzt als “Erfindung” von Monsanto. Christoph Then, Sprecher des Bündnisses “Kein Patent auf Leben”, spricht von einem Missbrauch des Patentrechtes, da eine Patentierung konventioneller Züchtung verboten ist. Das Verbot wurde jedoch umgangen, indem nicht das Verfahren patentiert wurde, sondern die Pflanzen selbst. Zudem handle es sich um einen Fall von Biopiraterie, da der US-Konzern ursprünglich indisches Saatgut als sein Eigentum beanspruche.
Auch nach der Brokkoli-Entscheidung: Patente auf konventionell gezüchtete Pflanzen
Neues Tomaten-Patent für Monsanto?
09. März 2011: Das Europäische Patentamt in München will auch weiterhin Patente auf Saatgut, Pflanzen und Lebensmittel erteilen, die mit Hilfe konventioneller Züchtung hergestellt werden. Dies zeigt eine aktuelle Recherche, die von der Initiative „No Patents on Seeds“ in Auftrag gegeben wurde.
Obwohl die endgültige Entscheidung zum Präzedenzfall Brokkoli erst in den kommenden Wochen gefällt wird, will das Amt weiterhin Patente auf pflanzliche Lebensmittel vergeben. So teilten die Prüfer des Patentamtes der Firma Seminis – einer Tochter des US-Konzerns Monsanto – im Januar 2011 mit, dass es keine grundsätzlichen Einwände gegen einen Patent-Antrag auf Tomaten gäbe. Die Firma will normal gezüchtete Tomaten mit weniger Kernen als ihre Erfindung patentieren lassen (EP1026942).
Durch GVO bereits bedrohte Kulturpflanzen:

Mangold
Durch Gentech-Zuckerrüben direkt bedroht, da er vom Wind bestäubt wird und sie sich kreuzen können.
