zum Inhalt

Aktuell

30.03.2021

Lobbystrategien der Agrarindustrie

Die Biotechindustrie setzt sich in Brüssel seit Monaten für eine Deregulierung der neuen gentechnischen Verfahren ein. Wie intensiv hier lobbyiert wird, zeigt ein neuer Report der Organisation Corporate Europe Observatory (CEO). Mitarbeitende der Organisation konnten Hunderte Dokumente sichten, die zeigen, wie die Agrarkonzerne und ihre Lobbyverbände versuchen, die EU-Institutionen zu beeinflussen.

Das Mittel der Wahl: »PR-Plattformen aufsetzen, die wissenschaftlich daherkommen, aber Industriebotschaften verbreiten«, so Nina Holland von CEO. Laut Report setzt der Biotech-Sektor in seiner Strategie vor allem auf drei Organisationen: Die »European Plant Science Organisation« (EPSO), ein industrienaher Zusammenschluss von Pflanzenzuchtinstituten, erinnert Vertreter*innen von Ministerien auf Treffen regelmässig an eine »bessere« Gentechnik-Gesetzgebung.

Der Thinktank »Re-Imagine Europa« (RIE), eigentlich dafür gegründet, »Europas Rolle im 21. Jahrhundert« zu stärken, rief im November 2020 eine Taskforce für »Nachhaltige Landwirtschaft & Innovation« ins Leben. Ausgestattet wurde sie mit 1,5 Millionen Euro von der Bill & Melinda Gates Stiftung.

Die dritte entscheidende Rolle spielt die Organisation »European Sustainable Agriculture Through Genome Editing« (EU-Sage). Die Plattform wurde vom Flämischen Biotech Institut aufgesetzt, in dessen Gremien auch BASF- und Bayer-Vertreter*innen zu finden sind. Lange mühte sie sich darum, Feldversuche mit Genpflanzen in Europa zu erleichtern. Nun konzentriert sich EU-Sage, unterstützt von »134 Pflanzenzuchtinstituten«, auf das Genome Editing – und macht Druck: »Genom-editierte Organismen wie GVOs zu regulieren hat negative Konsequenzen für die Landwirtschaft, die Gesellschaft und die Wirtschaft«, heisst es in einer Petition, die auch an die EU-Kommission ging.

Zum Report von CEO: Derailing EU rules on new GMOs

zum Anfang der Seite