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Saatgutkonzerne lassen sich nicht nur gentechnisch veränderte Pflanzen patentieren, sondern auch zufällig durch Mutation entstandene Gen-Varianten in Pflanzen. Das belegt ein neuer Bericht des Bündnisses "Keine Patente auf Saatgut!". Dadurch können Gene, die etwa die Widerstandskraft von Pflanzen gegenüber Krankheiten oder Trockenstress stärken, in den Besitz der Konzerne übergehen, warnt das Bündnis. Andere Züchter könnten dann mit diesen Genen nicht mehr frei arbeiten.

Ein Beispiel aus dem Bericht: Im April 2021 erteilte das Europäische Patentamt EPA dem zum BASF-Konzern gehörenden Gemüsezüchter Nunhems ein Patent auf Tomatenpflanzen mit einer verbesserten Toleranz gegenüber Trockenheit. Die Züchter hatten in wilden Verwandten der Tomate bestimmte Gene für deren Trockenheitstoleranz identifiziert und diese durch herkömmliche Züchtung in handelsübliche Tomatensorten eingekreuzt. Das Patent umfasst nun alle Tomatenpflanzen, die diese Gene enthalten. Will ein anderer Züchter – egal ob konventionell oder mit Hilfe neuer gentechnischer Verfahren – ebenfalls mit dem Erbgut dieser wilden Tomatenverwandten arbeiten, würde er das Patent von Nunhems verletzen. Also bräuchte er für seine Züchtung deren Erlaubnis und müsste dafür Lizenzgebühren zahlen. „Der Zugang zur biologischen Vielfalt, die für die zukünftige Züchtung benötigt wird, darf nicht durch Patente kontrolliert, behindert oder blockiert werden“, heißt es im Bericht von No Patents on Seed. Und weiter: „Solche Patente bedrohen unsere Lebensgrundlagen“.

Der Bericht listet weitere Beispiele auf: Etwa die Gene einer wilden Salatpflanzenart, die gegen Mehltau resistent ist. Sie gehören aufgrund eines im April 2022 vom EPA erteilten Patents jetzt dem niederländischen Gemüsezüchter Bejo Zaden. Im Juni dieses Jahres gewährte das EPA dem deutschen Saatgutkonzern KWS ein Patent auf Mais mit einer verbesserten Verdaulichkeit. Die dafür verantwortliche Genvariante fanden die Forscher in konventionell gezüchtetem Mais. KWS könne nun mit dem Patent andere Züchter daran hindern, diese natürlich vorkommenden Gene in der konventionellen Pflanzenzüchtung zu verwenden, heißt es im Bericht.

„Bisher konnten im Rahmen des Sortenschutzes alle konventionell gezüchteten Sorten frei genutzt werden, um neue und noch bessere Sorten auf den Markt zu bringen“, erläutert Johanna Eckhardt von Keine Patente auf Saatgut! „Wenn die europäischen Regierungen jetzt nicht aktiv werden, wird diese Freiheit der ZüchterInnen in einem Patent-Dschungel erstickt“, warnt Eckhardt. Das Bündnis forderte deshalb die europäischen Staaten auf, aktiv zu werden und die längst bestehenden Verbote solcher Patente auf konventionelle Pflanzen und Züchtung endlich durchzusetzen. „Wenn die notwendigen politischen Entscheidungen nicht getroffen werden, ist das das Ende der Pflanzenzucht, so wie wir sie kennen“, warnt Verena Schmitt vom Umweltinstitut München. Um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, hat das Bündnis bereits mehr als 200.000 Unterschriften gesammelt.

Quelle & mehr Informationen: No patents on seeds

Zum neuen Bericht (englisch): Patents on genes

Zur Zusammenfassung (deutsch): Patente auf Gene

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