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Aktuell

08.03.2021

Was sind gv-Pflanzen der Zukunft?

Die neuen gentechnischen Verfahren erobern die Labore weltweit, vor allem CRISPR/Cas wird breit verwendet. Auch bei der Entwicklung von Nutzpflanzen werden die Verfahren eingesetzt. Der aktuelle Update eines seit 2016 regelmäßig erscheinenden Berichts zeigt: Welche Firmen und Forschungseinrichtungen sind beteiligt? Und was soll überhaupt entwickelt werden?
Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) in der Schweiz hat ein neues Update seiner Liste mit „Pflanzen, die mit neuen gentechnischen Verfahren entwickelt wurden‟, veröffentlicht. In umfangreichen Tabellen beschreibt die Autorin Eva Gelinsky (IG Saatgut) Pflanzen, gentechnische Veränderungen und die beteiligten Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Zudem versucht sie sich – soweit möglich – an einer Einschätzung, ob sie für die Kommerzialisierung vorgesehen beziehungsweise geeignet sind. Insgesamt stellt sie fast 150 Pflanzen beziehungsweise Projekte kurz vor. Trotz teils anders lautender Versprechen der Unternehmen sind bis heute erst zwei Pflanzen, die mit neuen gentechnischen Verfahren entwickelt wurden, auf dem Markt: Eine Soja mit veränderter Zusammensetzung des Öls (Calyxt, USA) und eine Herbizid-resistente Rapssorte (Cibus, USA). Für 2021 ist die Kommerzialisierung einer Tomate mit verbesserter Gesundheitswirkung (Sanatech Seed, Japan) angekündigt. Zunächst sollen Jungpflanzen an Hobbygärtner abgegeben werden.
Neben den Nutzpflanzen führt Gelinsky auch zwei Wildpflanzen auf: das Acker-Hellerkraut und die Rutenhirse. Beide wurden mit CRISPR/Cas verändert. Die Hirse soll als Energiepflanze zum Einsatz kommen, das Acker-Hellerkraut wurde im Ölgehalt verändert.
Auffällig sind die teilweise erheblichen Lücken im Wissen über die Pflanzen, die möglicherweise schon bald auf Feldern in den USA oder anderen Ländern stehen. Gerade in den USA werden die Interessen der Unternehmen stark geschützt. Veröffentlichungen staatlicher Behörden, wie zum Beispiel der APHIS unter dem Dach des US-Landwirtschaftsministeriums, kennzeichnen viele Eigenschaften von Pflanzen als geschützte Geschäftsgeheimnisse („confidential business information‟ – CBI).
Auch die Unternehmen selbst bringen teilweise kein Licht in das Dunkel. Gelinsky berichtet an anderer Stelle von Pflanzen, die aus der Produktpipeline von Calyxt und Cibus verschwunden waren, darunter Kartoffeln mit Resistenzen gegen Kraut- und Knollenfäule, ein Weizen mit Mehltau-Resistenz und andere. Nicht nur aus diesen Gründen kann Gelinsky keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Dafür ist das Feld zu groß, zu unübersichtlich und zu intransparent. Es ist im übrigen nicht zu erwarten, dass sich die Situation in den USA verbessern wird – eher im Gegenteil: Seit dem vergangenen Jahr ist eine neue Regulierung für biotechnologische Produkte in Kraft. Die wesentlichen Aspekte dazu sind im Update zu finden.
Eine weitere Tabelle des Berichts beschäftigt sich mit den Lizenzvereinbarungen zwischen den Züchtungs- und den Biotech-Unternehmen. Hier verschafft uns die Autorin einen zweierlei interessanten Blick: Zum einen werden unzählige der neuen gentechnischen Verfahren genannt, was einen Überblick verschafft, welche Unternehmen welche Verfahren für aussichtsreich halten. CRISPR/Cas9 zum Beispiel ist die bekannteste Variation des CRISPR-Werkzeugs. Bei Gelinsky finden wir Lizenz-Vereinbarungen, die genau solche Bestseller betreffen, neben bisher in weiten Kreisen noch völlig unbekannte Technik-Varianten (z. B. CRISPR/Cms1). Bekannt sind auch viele der beteiligten Unternehmen. Die Großen der Agrarbranche – ob Bayer (mit Monsanto) oder Corteva, BASF oder Limagrain – alle mischen kräftig mit beim Handel mit Lizenzvereinbarungen.

Quelle: Informationsdienst Gentechnik

Zur Tabelle: Endbericht BAFU. Update Dezember 2020

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